Die unsichtbaren Jugendlichen in Tirol - Studienergebnisse


Der Beschäftigungspakt Tirol hat bereits vor Jahren einen Arbeitsschwerpunkt zu bildungs- und arbeitsmarktfernen Jugendlichen in Tirol gesetzt. Im Rahmen dessen stellte sich heraus, dass ein Teil dieser Jugendlichen keine Unterstützungsangebote im Bereich Übergang Schule/Beruf annimmt und damit Gefahr läuft, den Anschluss an das System zu verlieren bzw. früh in die Arbeitslosigkeit zu rutschen. Da genaue Daten und Zahlen zu dieser Zielgruppe in Tirol bislang nicht existierten, beauftragte der Beschäftigungspakt Tirol hierzu nun eine Studie beim Institut für Höhere Studien (IHS).


„Die vom Beschäftigungspakt in Auftrag gegebene Studie öffnet uns die Tür zu der bislang schwer greifbaren Zielgruppe arbeitsmarkt- und bildungsferner Jugendlicher“, sind sich die PaktpartnerInnen Dr.in Maria Steibl (amg-tirol), LR Johannes Tratter,  Anton Kern (AMS Tirol) und Dr.in Karin Klocker (Bundessozialamt Tirol) einig. „Mit den neuen Studienergebnissen können wir die betroffenen Jugendlichen besser abholen und Unterstützungsangebote gemeinsam noch passgenauer gestalten“.

 v.l.n.r: Dr.in Karin Klocker (BASB Tirol), LR Johannes Tratter (Land Tirol), Dr.in Maria Steibl (amg-tirol), Mag. Mario Steiner (IHS), Anton Kern (AMS Tirol)

Ergebnisse der Studie

Wieviele Jugendliche in Tirol nun tatsächlich als arbeitsmarkt- bzw. bildungsfern einzustufen sind, konnte die IHS-Studie erstmals erheben: Rund 10.000 Tirolerinnen und Tiroler zwischen 15 und 24 Jahren wurden mit Schwierigkeiten im Bildungs- oder Beschäftigungsbereich identifiziert. „Das entspricht ca. 11% der untersuchten Jahrgänge“, verdeutlicht Mag. Mario Steiner vom IHS. Betroffen sind vor allem junge Menschen aus bildungsfernen Elternhäusern sowie Jugendliche mit Migrationshintergrund. „Diese Jugendlichen weisen ein bis zu zehnfach erhöhtes Risiko für einen vorzeitigen Schulabbruch oder die Zugehörigkeit zur Gruppe der Niedrigqualifzierten auf“, so Steiner.

Die Ergebnisse im Detail

Bei den untersuchten Bildungsverläufen der Jugendlichen fällt auf, dass sich insgesamt ein Trend zu höherer Bildung abzeichnet, der sich vor allem in einer deutlich höheren Beteiligung in den berufsbildenden Höheren Schulen niederschlägt. Demgegenüber ist der Anteil in den Polytechnischen Schulen rückläufig, was auch eine geringere Beteiligung in der dualen Ausbildung zur Folge hat.

Beim Übergang von der Schule in den Beruf zeigt die Studie, dass besonders Tiroler Jugendliche mit migrantischem Hintergrund von Ausbildungsabbrüchen betroffen sind. Bis zu einem Drittel dieser Jugendlichen bricht die Ausbildung bis zum 17. Lebensjahr ab. Folglich gestaltet sich der Einstieg für diese Personengruppe in den Arbeitsmarkt als überaus schwierig.

Der Übergang von der Schule in den Beruf ist aber auch für Frauen in Tirol nicht einfach: Während 80% der männlichen Jugendlichen ein schneller Übergang gelingt, sind dies bei den weiblichen Jugendlichen nur 52%. Die Stabilität des ersten Jobs ist bei Frauen zudem geringer: Sie bleiben deutlich weniger lang im ersten Job als Männer. Hinzukommt, dass Frauen außerdem überdurchschnittlich von allen Formen atypischer Beschäftigungsverhältnisse betroffen sind.

Ob der Übergang von der Schule in den Beruf erfolgreich gelingt, hängt insgesamt stark vom erreichten Bildungsstand ab. Die Analysen zeigen, dass Tiroler Jugendliche ohne weiterführenden Bildungsabschluss kaum eine stabile Arbeitsmarktintegration aufweisen. Im Gegensatz hierzu fällt Jugendlichen mit einem Lehrabschluss der Übertritt ins Erwerbsleben vergleichsweise einfach.

Hinsichtlich der Berufslaufbahnen fällt in der Studie besonders jene Gruppe von Tiroler Jugendlichen auf, die ohne abgeschlossene Schul- oder Lehrausbildung direkt in Beschäftigung oder Arbeitslosigkeit wechselt. Zwei Jahre nach Pflichtschulabschluss befinden sich 60% in Beschäftigungsverhältnissen, die allerdings nur zwei bis sechs Monate andauern und häufig in Form von geringfügigen Beschäftigungen eingegangen werden. Mit diesen diskontinuierlichen Karrieren weisen die betroffenen Jugendlichen in Tirol die höchste Anzahl an AMS-Episoden auf.

Ausblick

„Die IHS-Studie zeigt uns unsere Arbeitsschwerpunkte für die Zukunft auf: Noch niederschwelligere Angebote, insbesondere bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund und aus bildungsfernen Elternhäusern“, resümieren die Beschäftigungspakt-PartnerInnen. „Erfreulich ist, dass wir im Rahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik bereits auf dem richtigen Weg sind“. Für die betroffenen Jugendlichen wurde in Tirol bislang nämlich bereits ein so hohes Ausmaß an Initiativen gesetzt, dass mit 4.100 Teilnahmen pro Jahr schon jetzt eine nennenswerte Abdeckungsquote erreicht werden konnte. Gemeinsam sollen nun auf Basis der Studie möglichst alle jungen Tirolerinnen und Tiroler, die Schwierigkeiten im Bildungs- und Beschäftigungsbereich haben, mit entsprechenden Angeboten unterstützt werden können.

Die Gesamtstudie steht HIER als Download zur Verfügung.