4. BiBe-Fachtagung : Die Nicht-Erreichbaren erreichen


Wie können die Nicht-Erreichbaren erreicht und neue Zugänge zur Bildungs- und Berufsberatung geschaffen werden, waren diesmal die zentralen Fragen der 4. Fachtagung "Zukunftsfeld Bildungs- und Berufsberatung Tirol", zu der sich am 2. Juni 2015 die PartnerInnen des Netzwerks Bildungs- und Berufsberatung am Tiroler Bildungsinstitut Grillhof zusammen fanden. 

Insgesamt folgten über 50 BeraterInnen, Führungskräfte  und VertreterInnen aus 20 unterschiedlichen Einrichtungen und öffentlichen Institutionen der Einladung des Beschäftigungspaktes Tirol und nutzten die Gelegenheit zum fachlichen Austausch und zur Vernetzung.


Im Mittelpunkt der Diskussion stand dabei in diesem Jahr das für Beratungseinrichtungen essentielleThema der Zielgruppenerreichung.
 

"Unser Ziel im Rahmen des Netzwerks Bildungs- und Berufsberatung Tirol ist es, allen Tirolerinnen und Tirolern eine flächendeckende Bildungs- und Berufsberatung zugänglich zu machen und das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es gerade in wirtschaftlich stürmischen Zeiten sinnhaft ist, sich mit der eigenen beruflichen Situation auseinander zu setzen und am Ball zu bleiben. Jeder neue Ansatz zur Zielgruppenerreichung, den wir bei der diesjährigen Fachtagung bekommen, ist für unsere Arbeit wertvoll. Denn es ist wichtig, besonders bildungsferne und niedrigqualifizierte Menschen in Tirol für Bildungs- und Berufsberatung zu gewinnen, sie bei der Planung ihrer weiteren beruflichen Zukunft zu unterstützen und höher zu qualifizieren. Damit werden wir zugleich langfristig den heimischen Arbeitsmarkt beleben können.", betont Dr.in Maria Steibl, Geschäftsführerin der amg-tirol.

Näher beleuchtet wurde das Therma mithilfe der Forschungsergebnisse der Bildungswissenschaftlerin Dr.in Erika Kanelutti-Chilas (Geschäftsführerin des Vereins in between), die krankheitsbedingt kurzfristig als Referentin absagen musste, und von der Koordinationsstelle des BeschäftigungspaktesTirol (Dr. Philipp Seirer)  vertreten wurde.

Der Zielgruppe entgegenkommen
Ihre beiden Studien zu niederschwelliger Bildungsberatung und Bildungsberatung "außer Haus" spiegeln im Grunde genommen die bisherigen Erfahrungen der Beratungseinrichtungen in den Bundesländern wider: Die Einrichtungen müssen der Zielgruppe mit unterschiedlichsten Maßnahmen geografisch und sozialräumlich entgegen kommen und Formen der Kontaktaufnahme, Sprache und Unterstützungsangebote an die Wünsche und Erwartungen der adressierten Personengrupee anpassen, um diese auch tatsächlich erreichen zu können. Eine Herausforderung für BeraterInnen, Beratungseinrichtung und auch die öffentliche Hand.

Lebensweltorientierte Bildungs- und Berufsberatung
Bildungsferne sind meist auch Beratunsferne. Und fern meint immer auch fremd. Für Bildungsferne ist das Angebot der (Bildungs-)Beratung fremd und für (Bildungs-)BeraterInnen sind die Bildungsfernen fremd. So die These von Gernot Deutschmann, sozialpädagogischer Betreuer, Streetworker ud Übergangsbegleiter aus Wien, der in einem sehr lebhaften und mit zahlreichen Anekdoten bestückten Vortrag für eine „lebensweltorientierte“ Bildungs- und Berufsberatung plädierte.  Dieser unkonventionelle, aufsuchende und auf Vertrauensarbeit basierende Beratungsansatz stellt die Lebenswelten von „beratungsfernen“ Personen in den Fokus und steht den bestehenden institutionellen Förderstrukturen und quantitativen Zielvorgaben der Bildungs- und Berufsberatung diametral entgegen.

Die von Gernot Deutschmann vertretenen Thesen sowie ein daran anknüpfender Kurzimpuls aus der Sicht der Offenen Jugendarbeit in Tirol von Klaus Ritzer (kommun!ty) bildeten die Grundlage für eine rege Diskussion im Plenum. 

Präsentation Dr.in Erika Kanelutti-Chilas, Dr. Philipp Seirer (pdf)

Präsentation Gernot Deutschmann (pdf)

Alle Informationen zum Netzwerk Bildungs- und Berufsberatung Tirol finden Sie hier.

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