Überraschendes Studienergebnis zum Pflegeberuf in Tirol

In Tirol ist die Nachfrage nach Personal im Gesundheits- und Pflegebereich seit Jahren enorm. Obwohl immer mehr Ausbildungsplätze in diesen Bereichen geschaffen wurden, besteht nach wie vor ein großer Bedarf an Pflegekräften. Ob dies daran liegt, dass Personen im Pflegebereich sehr schnell wieder aus ihrem Beruf aussteigen und somit erneute Personallücken hinterlassen, sollte eine Studie im Auftrag des Beschäftigungspaktes Tirol klären. Mit überraschendem Ergebnis: Denn Tirolerinnen und Tiroler im Gesundheits- und Pflegebereich gelingt nicht nur ein nahtloser Berufseinstieg, sie bleiben auch überdurchschnittlich lange in ihrem Job und weisen stabile Erwerbsverläufe auf.

Ausgangslage

„Immer wieder ist der Eindruck entstanden, dass trotz aller Bemühungen der Pflegebedarf in Tirol nicht zur Gänze abgedeckt werden kann, weil MitarbeiterInnen in diesem Bereich ihren Job schnell wieder aufgeben. Bevor weitere gemeinsame Initiativen für den Pflegebereich geplant werden sollten, war es allen Paktmitgliedern daher ein großes Anliegen hier Klarheit zu schaffen und eine entsprechende Studie für Tirol in Auftrag zu geben“, so Dr.in Maria Steibl, Geschäftsführerin der amg-tirol.

Ziel der Studie und Datenerhebung

Die quantitative Studie „Verweildauer in Pflegeberufen in Tirol“ wurde in Folge an das österreichische Bundesinstitut für Berufsbildungsforschung (öibf) vergeben, mit dem Ziel Anzahl, Qualifikationsprofil, Beschäftigungsausmaß, Alter und Geschlecht der AbsolventInnen sowie der Beschäftigten in Gesundheits- und Pflegeberufen zu erheben und Belege für die Veweildauer der Berufsgruppe zu liefern.

Zu diesem Zweck wurden zwei Gruppen näher untersucht: alle Personen, die in den letzten 10 Jahren eine Ausbildung im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, Pflegehilfe oder Sozialbetreuung in Tirol absolviert haben sowie alle Personen, die zum 31.12.2010 im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, Pflegehilfe oder Sozialbetreuung in Tirol beschäftigt waren.

Insgesamt wurden die Erwerbsverläufe von mehr als 4.700 AbsolventInnen von neun Tiroler Ausbildungseinrichtungen und 12.680 Beschäftigungsverhältnissen in 62 Tiroler Betrieben des Gesundheits- und Pflegebereiches analysiert.

Ergebnisse der Studie

2/3 der Tiroler AbsolventInnen gelingt ein außergewöhnlich schneller Arbeitseinstieg: Sie nehmen unmittelbar nach Beendigung der Ausbildung (ohne einen einzigen Tag dazwischen!) ein Beschäftigungsverhältnis auf. In keiner anderen Branche wird dieser hohe Anteil erreicht.
Selbst bei der Beendigung eines Dienstverhältnisses kann die Hälfte der AbsolventInnen direkt in eine neue Beschäftigung wechseln, während dies in anderen Branchen nur einem Drittel gelingt. Mehr als 80% der AbsolventInnen sind am Ende der Beobachtungsperiode zu noch immer in jenen Branchen, in denen sie ausbildungs- und berufsadäquat tätig sind.

Besonders berücksichtigt wurden in der Studie die AbsolventInnen der Pflegestiftung Tirol, die im untersuchten Zeitraum 11% aller ausgebildeten Personen in Gesundheits- und Sozialberufen in Tirol ausmachen. Über die Stiftung werden arbeitssuchende Menschen in Tirol, die sich für einen Beruf im Gesundheits-, Pflege- oder Sozialbereich interessieren, in diesem Bereich ausgebildet. Wie sich in der Studie gezeigt hat, mit gleichem Erfolg wie die anderen AbsolventInnen: Bei allen Erhebungen erzielten die StiftungsteilnehmerInnen dieselben Ergebnisse.

Bei den Beschäftigten kam die Studie zu ähnlich positiven Resultaten wie bei den AbsolventInnen: Die untersuchten Beschäftigten sind zum Stichtag im Durchschnitt mehr als neun Jahre beim befragten Tiroler Betrieb beschäftigt gewesen. Innerhalb der Betriebe des Gesundheits- und Sozialbetreuungsbereiches bieten Krankenhäuser (bzw. die Einrichtungen der TILAK) überdurchschnittlich stabile Beschäftigung (im Schnitt fast 10 Jahre Beschäftigung), kürzere Dauern weisen Personen auf, die zum Stichtag in Sozial- und Gesundheitssprengel oder sonstigen Sozialen Diensten beschäftigt waren. Zu mehr als die Hälfte der Beschäftigten sind in ihrem Betrieb vollzeitbeschäftigt, ein Viertel weist ein Beschäftigungsausmaß zwischen 51% und 99% des Wochenarbeitszeitausmaßes bei Vollzeitbeschäftigung aus. Die Flexibilität hinsichtlich des Arbeitszeitausmaßes im Gesundheits- und Pflegebereich erweist sich als stabilisierender Faktor und erleichtert auch den Wiedereinstieg nach einer karenzbedingten Unterbrechung.

Schlussfolgerungen

Die Studie belegt zusammenfassend, dass die in Tirol ausgebildeten bzw. tätigen Personen im Pflege- und Sozialbetreuungsbereich entgegen aller Annahmen eine hohe Stabilität ihrer Beschäftigung aufweisen: Sie verweilen auffallend lange in ihrem Beruf und wechseln zum Großteil nur innerhalb der Branche den Job. „Das Ergebnis hat uns im Pakt alle überrascht. Die Studie bietet uns nun eine gute Grundlage dafür, wo wir in Zukunft ansetzen können, damit sich auch dieser Bereich des Tiroler Arbeitsmarktes gut weiterentwickelt“, so der derzeitige Vorsitzende des Beschäftigungspaktes, Mag. Rainer Seyrling vom Land Tirol. Dazu gehöre nun auch zu vermitteln, dass der Pflegeberuf durchaus attraktiv sei. Eine Ausbildung im Gesundheits- und Pflegeberuf bietet laut Studie einen einfachen Berufseinstieg, gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf und insgesamt einen zukunftsträchtigen und krisensicheren Job. Denn die Studie hat auch gezeigt, dass der stetige Bedarf an Pflegekräften nicht auf eine hohe Ausstiegsrate zurückzuführen ist, sondern primär auf die demographische Entwicklung. Der Bedarf an Pflegepersonal wird also auch weiterhin steigen.

Handlungsbedarf sieht der Studienautor des öibf, Roland Löffler, im Pflegebereich unter anderem bei der Angleichung von Entlohnungssystemen und der Weiterentwicklung altersgerechter Arbeitsplätze vor allem im Bereich der Alten-, Wohn- und Pflegeheime. Hier sieht Dr.in Steibl von der amg-tirol einen weiteren Arbeitsauftrag an den Beschäftigungspakt: „Wir werden diese Aspekte in der geplanten qualitativen Studie näher beleuchten, um zu sehen, wo wir noch Verbesserungen für die im Pflegebereich Beschäftigten erzielen und so die Attraktivität des Pflegeberufs noch weiter steigern können“.

Download Studie (link)

Inhalte: